P-Magazine – Public Magazine

Gänsehautmomente beim Herrn der Ringe

Seit J.R.R. Tolkien sein dreiteiliges literarisches Epos im Jahr 1954 veröffentlichte, hat „Der Herr der Ringe“ Millionen Leser in seinen Bann gezogen und in die Welt von Mittelerde entführt. Kaum ein anderes Werk hatte so viel Einfluss auf die Buch-, Film- und Spielewelt der letzten 30 Jahre. 2001-2003 kam die atemberaubende Verfilmung dreiteilig in die Kinos, als größte Filmproduktion aller Zeiten. Alle drei Teile haben eine Gesamtlaufzeit von über 11 Stunden. Hollywood-Regisseur Peter Jackson verpflichtete einen der renommiertesten und meistgeehrten Komponisten für die Filmmusik: Howard Shore. Seine Arbeit an der Trilogie wurde mit drei Oscars belohnt. In den letzten Jahren feierte das Kino-Epos in Kombination mit Live-Musik und Großbildprojektion bereits sensationelle Erfolge. Mit neuer Live-Produktion kehrte nun der erste Teil der Trilogie „Die Gefährten“ nach Berlin zurück. Für dieses Highlight wurde die Mercedes-Benz Arena Donnerstagabend zu bester Kinozeit in einen Kinosaal umgewandelt, mit einem gigantischen Orchester. Filmmusik-Komponist Howard Shore gestaltete für die Trilogie ein voll durchkomponiertes, Oscar- und Grammy-prämiertes musikalisches Meisterwerk, das die Handlung mit klanggewaltigen, komplex verwobenen Themen begleitet und jeder Kultur in Mittelerde eigene Motive zuweist. Grund genug, um diese wunderbare Musik live zum Film zu erleben! Sopranistin Kaitlyn Lusk und natürlich das Radiosymphonieorchester Pilsen / Pilsen Philharmonic, dirigiert von David Seitz sorgten für Gänsehautmomente.

Doch wie kann man sich das Ganze vorstellen? Die Originaltonspur, reduziert um die Musik, sorgt für den richtigen Kinosound. 100 Orchester- und 120 Chor-Mitwirkende führten den Soundtrack unter der Leitung des Dirigenten David Reitz live auf und sorgten so für emotionale Momente während die fesselnde Handlung über die riesige Kinoleinwand lief.

Kritik von Dirk S.: Als ich den Film „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ zur Weihnachtszeit 2001 zum ersten Mal im Kino sah war ich schlichtweg begeistert. Erst kurz zuvor hatte ich, in freudiger Erwartung auf die Filmtrilogie, das Buch gelesen und war von diesem schon voll in den Bann gezogen. Tolkien erschafft eine Welt und Figuren, wie ich sie in dieser Epik und Sogkraft selten erlebt habe. Und Peter Jackson hat es geschafft, diese Welt auf Celluloid zu bannen und nichts von der Strahlkraft einzubüßen. Alle drei Teile sind als ein Film zu betrachten und dieser ist für mich einer der besten Filme aller Zeiten. Seitdem ist das schauen der Film-Trilogie ein jährlich fester Termin in meinem Kalender. Gerne auch alle drei Filme hintereinander weg, aber immer nur in der Special Extended Edition, wie es sich für Filmliebhaber gehört. Doch was macht einen guten Film aus? Das sind nicht nur schöne Bilder und großartige Landschaften (hier eingefangen in Neuseeland), eine packende Geschichte (hier sogar mehrere parallel) und die schauspielerischen Leistungen (allen voran Viggo Mortensen). Es ist vor allem die Musik. Ein Film ohne passende Musik verliert sofort seine Wirkung. Andersherum kann sogar ein eher schlechter Film durch gute Musik aufgewertet werden. Man denke nur an „Der weiße Hai“. Wie bedrohlich wäre das schwarze Wasser noch, ohne den bekannten Score? Und so ist es auch bei „Der Herr der Ringe“. Howard Shore hat eine großartige Filmmusik komponiert, allen Parteien (Orks, Hobbits, Elfen, Menschen) einen passenden Score auf den Leib geschrieben, welche es dem Zuschauer leichter machen sich in den Film und die Szenen einzufühlen. Diesen ersten Teil nun mit einem Live-Orchester und Live-Chor zu erleben war ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Diese Musik geht unter die Haut und direkt ins Herz und löst so wahnsinnig viele Gefühle aus. Vor allem Solistin Kaitlyn Lusk schafft es mit ihrer großartigen Stimme dem ein oder anderen Zuschauer eine Träne ins Auge zu zaubern. Ein paar kleine Mankos hatte die Vorstellung allerdings für mich. Eine Arena ist natürlich kein Kino mit halbwegs gemütlichen Kinosesseln. Durch entfernen der Musik-Tonspur, wurde leider auch die Tonspur für die Sound-Effekte in Mitleidenschaft gezogen, so dass die Filmgeräusche blechern, dumpf und viel zu leise waren. Das war teilweise so, als wenn sich Bud Spencer und Terence Hill verkloppen, aber die Schellen nicht das berühmte Klatschen erzeugen. Und Sound-Effekte sind nunmal ein weiterer wichtiger Baustein für Filme. Die Bildqualität war in Ordnung, aber nicht überragend. Das schafft jeder Fernseher viel besser. Man sollte auch wissen, dass der Film in der Kino-Original-Version gezeigt wird, mit Untertiteln und nicht in der 40 Minuten längeren Special Extended Edition, trotzt Pause. Die Untertitel empfand ich als sehr störend, auch wenn ich verstehe, dass sie für Teile im Publikum sicherlich notwendig sind. Dennoch, es war ein tolles Erlebnis.

Übrigens: Unter dem Qualitätssiegel „Sound of Hollywood“ startet Semmel Concerts eine neue Veranstaltungsreihe. Die neue Live-Produktion „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ erfolgt in Zusammenarbeit mit Alegria Konzert GmbH. Zum Thema Filmmusik werden zukünftig viele hochwertige Tourneen und Veranstaltungen durchgeführt. Der Startschuss erfolgte bereits mit Bekanntgabe der Tourneen der A-Riege der Hollywood-Filmkomponisten James Newton Howard, Ennio Morricone sowie der „The Music of John Williams“ Tour 2017. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Dirk S. & Jean B.

 

error: Content is protected !!