BEAUTY

Lippen und Lippenstifte

verfasst von Peter Dumont

„Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund …“ Bei dieser Zeile aus den „Lasterhaften Balladen und Liedern des François Villon“, die durch die Interpretation von Klaus Kinski unsterblich wurden, dürfte es sich um die wohl berühmteste Huldigung der Weltliteratur an das heimliche Zentrum des weiblichen Gesichtes handeln, das seit Jahrhunderten Symbol der Sinnlichkeit und Verführung ist: Die Lippen. Und damit befassen wir uns heute.

Auch wenn Mutter Natur bei den Lippen wie auch sonst mit einer Menge unterschiedlichster Formen und Ausprägungen aufwartet, werden besonders gut ausgestatte Frauen wie Angelina Jolie und Scarlett Johansson von vielen bewundert und beneidet. Aber was finden wir eigentlich so schön an vollen Lippen?

Sinn und Sinnlichkeit

Zuallererst sind die Lippen unentbehrlich bei der Nahrungsaufnahme. Abertausende Nervenenden, die auf der Lippenoberfläche enden, machen sie zu einem besonders empfindlichen Organ. Sie reagieren sensibler auf Berührungen, Wärme und Kälte als andere Körperpartien. Weil sie auf den Lippen mehr spüren, erforschen auch Kleinkinder Gegenstände besonders gerne mit ihren Lippen, was Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse als „orale Phase“ bezeichnete. Das Erforschen von Unbekanntem wird so zu einem sinnlichen Erlebnis – so sinnlich wie der Kontakt des Neugeborenen mit der mütterlichen Brust.

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Rote Lippen – muss man küssen

Diese Intensität erklärt auch, warum Küssen eine solche Vielfalt an körperlichen Reaktionen auslösen kann, denn Lippen bilden aufgrund der hohen Nervendichte eine erogene Zone. Weiche und volle Lippen versprechen ein besonders intensives Empfinden beim Küssen und ein voller, großer Mund wird als Zeichen von Sinnlichkeit und Erotik angesehen. Frauen wie Brigitte Bardot, Angelina Jolie und Scarlett Johansson gelten nicht zuletzt deshalb als Sexsymbole. Das hängt unter anderem mit den Hormonen zusammen, denn im Sinne der Fortpflanzung hat es die Natur so eingerichtet, dass Frauen im gebärfähigen Alter vollere Lippen haben als in der Jugend oder in den Wechseljahren, was mit dem Östrogenspiegel in Verbindung steht.

Rote Lippen – frivol und kämpferisch

Es gibt wohl kaum ein stärkeres Symbol für Weiblichkeit und Erotik als rote Lippen. Um der Natur etwas nachzuhelfen, greift frau gerne zum Lippenstift, der seit über 100 Jahren das beliebteste Schminkutensil ist. 36 Millionen Stück werden jährlich in Deutschland verkauft und nicht wenige Frauen besitzen gleich ein Dutzend Lippenstifte in verschiedensten Farbvarianten. Wer regelmäßig Lippenstift trägt, „verspeist“ übrigens im Laufe seines Lebens durchschnittlich 25 Lippenstifte.

Als offizieller Geburtstermin des Lippenstiftes gilt zwar das Jahr 1883, als ein Pariser Parfumeur auf der Weltausstellung in Amsterdam einen gefärbten in Seidenpapier gewickelten Stift aus Rizinusöl, Bienenwachs und Hirschtalg als „Stylo d’amour“ präsentierte, jedoch gab es zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahrtausenden Lippensalben und andere Färbemittel. Die ägyptische Königin und legendäre Schönheit Nofretete beispielsweise färbte ihre Lippen mit Hennalauge rot. Im Europa der Spätrenaissance entwickelte die englische Königin und Powerfrau Elizabeth I. (1533-1603) aus Farbpartikeln, zerstoßenem Alabaster oder Gips einen Vorläufer des Lippenstifts, um in ihrem weiß gepuderten Gesicht mit rot gefärbten Lippen ein knalliges Statement zu setzen.

Königlicher Lippenkult

Besonders weit soll die russische Zarin Katharina die Große für einen vollen Erdbeermund gegangen sein: Angeblich ließ sie sich von ihren Dienerinnen die Lippen ansaugen und aufbeißen. Nachdem rote Lippenfarbe seit der Französischen Revolution verpönt war und nur von Halbwelt-Damen getragen wurde, änderte sich das frivole Image Anfang des 20. Jahrhunderts, als New Yorker Frauenrechtlerinnen rote Lippen als Kampf-Symbol einsetzten. In den Roaring Twenties erlebte der Lippenstift einen regelrechten Boom und rote Lippen wurden zum Inbegriff der starken und emanzipierten Frau. Heute gilt der rote Lippenstift, der seit 1948 in praktischen Drehhülsen verkauft wird, als Kultobjekt. Sogar ein Lippenstiftumuseum gibt es, das in Berlin eine eindrucksvolle Sammlung präsentiert.

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Peter Dumont

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