„Du bist zu schade für Hollywood“

Das sagte damals der amerikanische Superstar Kirk Douglas zu der jungen Schauspielerin Steffi Stroux bei seiner sehr emotionalen Verabschiedung in München. Es war das Jahr 1958, Kirk Douglas hatte sich die bekannte und elegante Steffi Stroux als „Münchenführerin“ empfehlen lassen und ausgesucht. Sie sollte ihm die schönsten Ecken der Stadt zeigen. Er war zu den Dreharbeiten des Films „Wikinger“ in München, eine riesige Hollywood-Produktion, bei der er die Hauptrolle spielte. Sie verbrachten einige Tage zusammen, sie zeigte ihm „ihr München“ und beide hatten viel Freude.

Die Worte von Kirk „Du bist zu schade für Hollywood“ wollte Steffi Stroux aber wirklich nicht hören, war es doch der logische nächste Schritt: Sie war in Deutschland und Österreich bekannt, hatte Filme mit Theo Lingen, Gert Fröbe, Heinz Erhardt, Beppo Brehm, Carl Wery oder Gunther Philipp gedreht. Dazu gehörten Heimatfilme und Komödien wie „Die vertagte Hochzeitsnacht“, „Der Bauerndoktor von Bayrischzell“, „Mikosch, der Stolz der Kompanie“ und viele andere – Filme, die damals dafür sorgten, dass die junge Steffi zu den Nachwuchs-Stars der deutschen Schauspielerinnengard gehörte. Sie spielte aber auch sozialkritische Stoffe wie „Wunderland bei Nacht“ dessen Titelmelodie unter dem Namen „Wonderland by Night“ von Bert Kaempfert ein Welterfolg wurde. Den Weg ins internationale Filmgeschäft, hatte sie bereits 1954 mit einer Schlüsselrolle in „Angst“ unter der Regie von Roberto Rosselini und mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle beschritten.

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Das Thema Schönheit

Steffi Stroux war in den meisten Filmen als schöne Liebhaberin zu sehen. Mit dem Thema Schönheit hatte auch alles für sie angefangen, mit der Wahl zur „Rose vom Wörthersee“, dem „schönsten Dirndl im schönsten Dirndl“ 1951, die die Kärntner Landesregierung veranstaltet hat. Steffi wurde das Gesicht von Kärnten, vom Wörthersee, ihrer geliebten Heimat.

Schönheit – über 60 Jahre später

Das alles ist nun 64 Jahre her. Die Schönheit aber ist nicht gewichen. Wir treffen Steffi Stroux, heute Steffi Bischof, im Hotel Vier Jahreszeiten in München und sind überwältigt: eine echte Dame mit Stil und Charakter. Und immer noch in jedem Wortsinne schön! Wie macht sie das? „Disziplin, eine starke Lebenseinstellung und ein glückliches Familienleben sind meine Schlüsselwörter“ berichtet sie. Das brauchte Steffi öfter in ihrem Leben, bei der Überwindung ihres schweren Unfalls und des Todes ihres Ehemannes nach über 50 glücklichen Ehejahren. „Ich bewege mich auch regelmäßig, gehe am Tegernsee mit meiner lieben Tochter Beatrice spazieren. Und gute Kosmetik ist eben auch wichtig“ ergänzt die Grande Dame.

Die wilden 50er Jahre

Das Familienglück kam nach der Achterbahn ihres Lebens im Showgeschäft der 50er Jahre. Im Anschluß an die düsteren Kriegsjahre war das München der 50er Jahre geprägt von einem ganz besonderen Lifestile. Man war unterwegs in den zahlreichen Bars in Schwabing, internationale Stars kamen und gingen. Die Mode war elegant, man ging noch im Cocktailkleid zum Abendessen. So ein Cocktailkleid sollte Steffi von der Filmproduktion „Angst“ damals Ingrid Bergmann schenken, doch „sie wollte lieber meinen Duffle-Coat, den ich bei den Dreharbeiten trug“ erinnert sich Steffi. „Es war eine wunderbare Zeit – alles war möglich“.

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Schönheit damals und heute

„Die Frauen im Film“, wie Steffi betont, „mussten damals in erster Linie natürlich schön sein. Sie waren darüber hinaus aber oft auch sehr individuell wie Grace Kelly, Liz Taylor, Sofia Loren, Marilyn Monroe.“ Bei vielen aktuellen Schauspielerinnen ist dieses individuelle Alleinstellungsmerkmal nach Steffis Meinung verloren gegangen. „Heute spielt das Ausziehen häufig eine größere Rolle als das Anziehen. Das gab es damals gar nicht. Ich kann mich zum Beispiel noch an die Diskussionen zu meinem Titelbild in der Quick erinnern: Es ging um den Rückenausschnitt, wie groß er überhaupt sein durfte.“ Verglichen zu heute war da natürlich gar nichts zu sehen.

Schönheit ohne „Nachbearbeitung“

„Die Schönheit spielte damals aber auch eine andere Rolle, da wir fast gar nichts nachträglich korrigieren konnten“. Es gab nicht viele Hilfsmittel, heute retouchiert man am Computer. Damals gab es nur die berühmten Nylonstrümpfe, die über die Fotokamera gezogen wurden, als Weichzeichner. Das galt nicht nur für Hollywood. Das Showbusiness war hart, der Kampf um die Rollen unerbittlich. Das forderte seine Opfer, was Kirk Douglas damals wohl auch meinte – und so ist Steffi für diesen zunächst unerwünschten Tipp heute richtig dankbar.

Photo credits
erste Reihe zweites Bild von links: Hilmar Jönke

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