ART

Art KARLSRUHE 2017 – Erste Verkäufe bereits vor der Öffnung

Britta Wirtz und Thomas Strobl

„Es läuft überraschend gut“, kurz und bündig bringt Michael Schultz seine Zufriedenheit zum Ausdruck. Und das bereits am frühen Mittwochnachmittag. Zu diesem Zeitpunkt machte die Nachricht über das erste verkaufte Werk der art KARLSRUHE 2017 die Runde: Die Bronzeplastik „Die Reiterin“ (2016) des Berliner Künstlers Thomas Jastram im Außenbereich vor dem Haupteingang fand einen Interessenten. Noch vor Öffnung der Messe konnte die Galerie Michael Schultz (Berlin, Seoul, Peking, Halle 2, Stand C5) die Arbeit zum Preis von 70 000 Euro an den Sammler Joachim Legner aus Weilburg an der Lahn abgeben. Dabei sollte es nicht bleiben: Über den Tag wechselten noch „Der singende Raum“ (2017) von SEO für 52 000 Euro, „Die Herrin II“ (2009) von Cornelia Schleime für 41 000 Euro und vier kleinere Bronzen von Jean Y. Klein für 40 000 Euro den Besitzer.

Die 14. Auflage der Messe, die am Mittwochabend nach einer enorm gut besuchten Preview eröffnet wurde, präsentiert Kunstwerke von über 1500 Künstlern an den Ständen der 211 Galeristen aus elf Ländern. Intermezzi im Rundgang sind die 19 Skulpturenplätze.

„Die Atmosphäre ist entspannt und gelassen. Wir finden hier eine Klientel, zu deren Lebensinhalt es gehört zu sammeln“, beschreibt Ulrich Gebauer, carlier | gebauer (Berlin, Halle 4, Stand R01), seinen Eindruck. Die Galerie nimmt zum ersten Mal an der art KARLSRUHE teil und präsentiert neben großformatigen Fotografien von Andreas Mühe den 1968 in Herford geborenen Erik Schmidt. Pastos, schnell und glänzend komponiert, entwickelt sich das Motiv einer Straßenlaterne aus energischen Pinselschwüngen in extremer Untersicht.

Große Aufmerksamkeit weckt die Klassische Moderne. Der Hamburger Grafikspezialist Thole Rotermund (Halle 3, Stand G11) merkte an: „Wir mussten zum Teil aus dem Stand gehen, so groß war der Andrang.“ Er konnte bereits einige Stücke verkaufen und freut sich über ein reges Interesse an den mitgebrachten Arbeiten etwa von Christian Rohlfs. Apropos Grafik: In Halle 1, traditionsgemäß den Editionen und Auflagenkünsten vorbehalten, gab es gleichermaßen ein produktives Geschäftsklima. Dass es hier spannend und politisch zugehen kann, belegen Neuzugänge, etwa die Heidelberger Edition Staeck (Halle 1, Stand W10).

Thomas Strobl, Stellvertretender Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, forderte zur Eröffnung: „Die demokratischen, freien Gesellschaften müssen zusammenstehen“, auch die Kunst habe einiges zu verteidigen. Damit spielt er auf die Angriffe gegen die französische Presse und Charlie Hebdo an. Kunst müsse nicht politisch sein, sie müsse sich selbst genügen. „Kunst darf aber politisch sein“, ergänzt er. „Leisten Sie Widerstand, zum Beispiel mit Malerei.“

Ewald Karl Schrade, Kurator der Messe, konstatierte: „Kunst macht keinen Halt vor Grenzen, weder vor politischen, ethnischen noch religiösen.“

Für Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup ist die Begrüßung der Gäste im Rahmen der Eröffnung immer ein ganz besonderes Erlebnis. Mentrup gefällt  besonders das „Nicht-Elitäre“ und das „ins Gespräch kommen“. „Es ist immer eine besondere persönliche Erfahrung, die man hier aus der Messe mitnimmt“, so der Oberbürgermeister.

Messe-Chefin Britta Wirtz lobt die hervorragende Entwicklung der Kunstmesse: „Bei der art KARLSRUHE geht es nicht um Kunst als Investitionsgut“, sagte sie. „Die Messe ist eine Informationsbörse, eine Plattform des Austauschs und natürlich ein Kunsthandelsplatz, der vor allem vom Engagement der Galeristen lebt.“

Ein institutionelles Bekenntnis zum Standort gab es ebenfalls zum Eröffnungstag: Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe verlegte die Vorstellung ihres Jahresprogramms in ihre Koje an der „Museumsmeile“ in Halle 1. Die Messe ist stets ein Ort des Diskurses. Wesentliche Fragestellungen um das System der Kunst wurden zum ARTIMA art meeting am Donnerstag, moderiert von Carl Friedrich Schröer, mit hochkarätigen Spezialisten diskutiert. Brisant am ersten Tag des meetings: „Malerei in politischen Zeiten“. Thomas Baumgärtel, bekannt als politischer Bananen-Sprayer berichtete etwa von seinen Befürchtungen mit Blick auf die Gegenwart: „Du zeichnest Karikaturen und wirst dafür umgebracht!“ Sicher, die Zeiten seien kritischer geworden – in doppelter Bedeutung des Worts. Am Freitag wird sich das ARTIMA art  meeting dem Thema „Kunst in digitalen Zeiten“ widmen.

Weitere Informationen unter: ww.art-karlsruhe.de www.facebook.com/artkarlsruhe

Über den Autor

Uwe Marcus Magnus Rykov

Redakteur P!-Magazine
Geschäftsführer PAgentur Paris / Agence de presse
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