MUSIK

BEYOND DOCUMENTATION

Tadasu Takamine: ›Japan Syndrom‹, 2012, Filmstill

Seit der Fukushima Katastrophe wurden Vermessungen gigantischen Ausmaß vorgenommen, um sowohl die Einflüsse der Ereignisse auf die Gegenwart als auch  die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Risikos für die Zukunft besser kalkulieren zu können. Während die sogenannten Messwerte die Realität aus einer bestimmten wissenschaftlichen Perspektive zeigen, stellt ein poetischer Blick etwas andere Sichtweisen auf Raum-Zeit-Konstellationen her. poetische Vorstellungsweisen erst ermöglichen uns die Dinge und Gegebenheiten in einer Skala wahrzunehmen.

Die Sharing as Caring 5, Beyond Documentation zeigt hier eine Zusammenstellung von verschiedenen Arbeiten der Künstler Leiko Ikemura, Tadasu Takamine und Susan Turcot, die diese gegenwärtige Situation aus einer poetischen Perspektive beleuchten und uns so subtile Bildwelten der Geschehnisse in Fukushima und ihrer Auswirkungen jenseits des Dokumentarischen eröffnen. Die japanische Künstlerin Leiko Ikemura präsentiert mit „Genesis und Tokaido“  großformatige Gemälde von imaginären Landschaften, die seit den verheerenden Ereignissen in Fukushima nach und nach in ihrer Vorstellung Gestalt annahmen. Die figurative Keramik „Memento Mori“ verkörpern Stille, Leid, Schmerz und Abwesenheit. Tadasu Takamine erschuf der nach langen Recherchen in den Städten Mito, Kyoto und Shimonoseki seine Performance „Japan Syndrom“. Tadasu Takamine brachte Gespräche zwischen unterschiedlichen Verkäufern und deren Kunden in eine Art Wiederaufführung auf die Bühne. Im Stil einer minimalistischen Ästhetik spielen noch junge Schauspieler diese Gespräche nach. aber Anhand von Gesten und Sprache wird es in ein vielschichtiges Bild geformt, das die Feinheiten des alltäglichen Umgangs mit dem unsichtbaren Feind Radioaktivität erfahrbar werden lässt.

Susan Turcot hat eigens hierfür eine neue, ortsspezifische Arbeit entwickelt. Die Arbeiten der Künstlerin Turcot befassen sich mit der Zerstörung der Natur durch den Menschen. Durch das Pflanzen gigantischer Sonnenblumenfelder soll die radioaktive Kontamination des Bodens rund um Fukushima neutralisiert werden. Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Bezug zur Architektur des Kunstvereins lässt Sie eine abstrahierte Sonnenblume kopfüber von der Decke hängen. Sie soll den Widerspruch in der Idee eines Atomkraftwerkes als Modell der lebenserhaltenden Sonne und der gleichzeitigen menschengemachten Katastrophe darstellen.

Das Vermögen des Poetischen ist politisch. Die Ausstellung  „Beyond Documentation“ widmet sich der Herausforderung, die „Aufteilung des Sinnlichen“ (Jacques Rancière) mitzugestalten denn sie zeigt Informationen und durch eine Loslösung der Bilder aus dem Bereich des Argumentativen und Dokumentarischen.

Beyond Documentation ist der fünfte und letzte Teil der Ausstellungsreihe „Sharing as Caring“ im Kunstverein. „Sharing as Caring“ ist ein kuratorisches Projekt von Dr. Miya Yoshida. Die Ausstellungsreihe startete 2012 und endet 2016 im Heidelberger Kunstverein.

Über den Autor

Uwe Marcus Magnus Rykov

Redakteur P!-Magazine
Geschäftsführer PAgentur Paris / Agence de presse
Management / Marketing / Projektmanagement / Interviews / Project / Planning Pressearbeit / Moderator

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