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Gabriele Schwab – Krav Maga Trainerin

verfasst von Nancy Schmidt

Gabi Schwab ist Krav Maga Instructorin mit eigener Schule in Augsburg. Sie ist eine der wenigen weiblichen Trainerinnen in Deutschland und die Einzige mit Expert Level im gesamten deutschsprachigen Raum. In einem Interview lerne ich sie näher kennen und erfahre einiges über Selbstverteidigung und die Rolle einer Frau in dieser Männerwelt.

Wir müssen jetzt als Allererstes nachfragen: Was genau ist Krav Maga eigentlich?
(lacht) Das werde ich häufig gefragt …
Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem, das ursprünglich aus Israel kommt und das auf einfache Mittel zur Konfliktbewältigung zurückgreift. Das heißt vereinfacht gesagt, man lernt sich in verschiedensten Situationen zu verteidigen, sei es gegen unbewaffnete oder bewaffnete Angreifer, einzelne oder mehrere Angreifer usw. …

Das klingt ja recht kompliziert…
Ist es aber nicht. Es sind alles leicht erlernbare Techniken. Wir sagen immer: keep it simple and stupid – denn in einer Stresssituation, die ist ein Angriff oder eine Bedrohung nun einmal, kann man nicht lange nachdenken, wie jetzt ein komplizierter Hebel funktionieren könnte oder erst noch eine Entscheidung fällen, wie man diesen speziellen Angriff abwehren könnte. Das muss einfach und schnell abrufbar sein.

Es geht bei Krav Maga auch niemals um Schönheit, Perfektion oder Fairness, sondern es geht um realistische Lösungen für gewalttätige Konfrontationen.
Aber trotz dieser Kriterien und Aussagen wird es immer noch oft fälschlicherweise als Kampfsport bezeichnet.

Und was ist der Unterschied zu „anderen“ Kampfsportarten?
Krav Maga ist ein Verteidigungssystem, das auf die unterschiedlichsten Situationen im Alltag ausgerichtet ist.

Kampfkünste und Kampfsportarten haben Regeln und sind damit für die Alltagstauglichkeit limitiert. Im Krav Maga gibt es keine Regeln, genauso wenig wie es in einer echten Konfliktsituation Regeln gibt. In welchem Kampfsport hast du zum Beispiel schon einmal erlebt, dass dein „Gegner“ dem anderen Geschlecht angehört und 30 kg mehr wiegt als du? Und in welchem Kampfsport hast du es mit mehr als einem Gegner zu tun? Die Realität sieht aber leider so aus. Es passiert eher selten, dass dich jemand angreift, der dir körperlich komplett unterlegen ist – es sei denn er/sie ist bewaffnet und kann sich somit einen (vermeintlichen) Vorteil verschaffen.

Krav Maga ist ein flexibles System, das wächst und sich verändert. Es schöpft aus den Erfahrungen, die tagtäglich überall auf der Welt im zivilen, polizeilichen und militärischen Bereich gewonnen werden. Für aktuelle Bedrohungsformen werden neue Lösungsansätze entwickelt oder bestehende modifiziert. Das passiert in Israel, wo der Hauptsitz von unserer Organisation, der IKMF, ist. Kampfsportarten und besonders Kampfkünste sind sehr auf ihre Traditionen bedacht, da gibt es keine Anpassungen an neue Begebenheiten.

Wie bist du zum Krav Maga gekommen?
Das war reiner Zufall. Ich habe damals nicht konkret nach Selbstverteidigung gesucht, wie es heute, wo Krav Maga langsam bekannter wird, viele machen. Sondern ich wollte tatsächlich einfach wieder mit einem Kampfsport beginnen und habe zu der Zeit verschiedenste Sachen ausprobiert. Leider ist es meistens an den Trainingszeiten gescheitert bzw. habe ich mich über die Vertragskonditionen geärgert. Und dann hat ein Freund mir den Link zu Keepsafe – das ist der Anbieter in München – geschickt. Ich dachte mir das hört sich cool an, das probiere ich aus. Ich war sofort begeistert. Das erste Probetraining hat mich sofort überzeugt, weil es so herrlich einfach und pragmatisch ist. Angriff – Abwehr. Punkt. Das entspricht komplett meinem Wesen!
Und so nahm dann die Geschichte ihren Lauf.

Du bist eine von nur wenigen weiblichen Trainerinnen in diesem Bereich, gibt es manchmal Probleme mit männlichen Schülern?
Eher selten, aber ja, ab und an kommt es vor, dass Schüler mich „testen“ wollen. Das machen sie aber in der Regel nur einmal.
Das ist ein realer Angriff – und ich handle konsequent. Wenn ein Schüler in Training nicht „mitspielt“, dann bekommt er nur einmal eine Verwarnung von mir. Wir trainieren mit Kontakt und haben deshalb natürlich auch entsprechende Schutzausrüstung. Ich habe es aber perfektioniert, dass ich am Tiefschutz vorbei komme.

Trainierst du heute selbst noch oft?
Ja, ich gehe immer noch so oft es geht selbst ins Training. Und wir haben regelmäßige „Instructor-Updates“, zu denen unsere Ausbilder aus Israel nach Deutschland kommen. Außerdem bin ich mindestens einmal im Jahr in Israel, um zu trainieren und mich weiterzubilden.

Wie viele Frauen sind durchschnittlich im Training?
Wir haben deutschlandweit eine recht hohe Frauenquote von ca. 30%. Das ist schon nicht schlecht, aber ich würde mich natürlich über eine noch höhere Quote freuen.

Gerade für Frauen müsste das doch das ideale Training sein?
Ich denke jede und jeder sollte lernen sich zu verteidigen und sich selbst zu behaupten.

Allerdings haben Frauen tatsächlich meist mehr Hemmungen sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Wir sind weniger aggressiv bzw. wird uns das auch anerzogen. Mädels prügeln sich nicht, du sollst nicht beißen oder Haare ziehen, nicht schreien. Ich werde oft gefragt, wann es denn „erlaubt“ sei oder der richtige Zeitpunkt sei, um sich zu wehren. Das ist echt ein Problem, an dem gearbeitet werden muss.

Bei Frauen sind dann auch noch zusätzlich sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe ein tagtägliches Thema. Ich kenne eigentlich keine Frau, die noch nie in ihrem Leben sexuell belästigt worden ist und laut einer EU-Studie hat jede dritte Frau in Europa als Erwachsene körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Für Frauen bieten wir immer wieder spezielle Seminare an, in welchen wir dann genau auf diese Thematik eingehen.

Es wird leider immer wieder unterschätzt, wie wichtig es ist, dass eine Frau sich selbst zu helfen weiß. Nach einem Übergriff ist es vor allem dieses Gefühl der Hilflosigkeit und des „der Gewalt ausgesetzt sein“, was den Frauen mehr zusetzt als alles andere. Über das Thema könnten wir vermutlich ein ganzes Buch füllen, das sprengt aber den heutigen Rahmen.

Hast du deine Skills schon einmal einsetzen müssen?
Eigentlich kann ich darauf sagen, dass ich sie jeden Tag einsetze. Ich gehe entsprechend aufmerksam und mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt. Awareness und Prävention – das sind wichtige Verhaltensweisen, die wir trainieren und unseren Schülern immer wieder vor Augen führen.

Aber du meinst direkte körperliche Übergriffe, richtig?
Seitdem ich Krav Maga trainiere, sind es zum Glück eher nur „Kleinigkeiten“ wie herumschlagende Typen auf Konzerten usw., die ich einfach auf Abstand halte.
Aber auch ich habe Erfahrungen mit einem gewalttätigen Ex-Freund machen müssen. Damals habe ich noch kein Krav Maga trainiert. Zum Glück bin ich damals gut aus der Situation herausgekommen, weil ich mich sehr massiv gewehrt habe, allerdings hätte das auch ganz anders enden können. Heute wüsste ich, wie ich mich ganz einfach aus dieser Situation befreien kann, das hätte ich damals tatsächlich sehr gut gebrauchen können!

Deine Schule betreibst du zusammen mit deinem Mann. Wie stellt man sich das vor – prügelt ihr euch? Wirkt sich das nicht auf eure Beziehung aus?
Wir trainieren viel zusammen und das besteht natürlich aus Angriffen und den entsprechenden Abwehr-Techniken.

Aber das ist alles auf dem Niveau vom Training. Das muss man ganz klar unterscheiden. Wenn wir im Training sind oder zusammen unterrichten, dann ist das in dem Moment für mich nicht mein Mann, sondern ein Angreifer und den muss ich entsprechend abwehren und ausschalten.

Im Privatleben wirkt sich das eigentlich nicht aus. Wobei: unsere Sticheleien, die man ja als Ehepaar gerne mal hat, sehen vielleicht von außen doch manchmal etwas „ungewöhnlicher“ aus (lacht).

Nein, ich würde sagen, dass uns das eher zusammenschweißt und näher zusammenbringt. Wir sind nicht einfach nur ein Ehepaar, wir sind auch beste Kumpels, die sich gegenseitig respektieren und schätzen. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können und uns gegenseitig den Rücken stärken.

Bildquellen: Stephanie Karraß, Volker Schwab, G. Wiese

Über den Autor

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