LIFESTYLE

Geburtstagsparty mit Placebo in der Mercedes-Benz Arena

verfasst von Jean Bork

Seit über 20 Jahren gibt es sie schon… die Band Placebo. Aktuell touren sie mit einem Best-Of ihres Schaffens, pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum ihres selbstbetitelten Debütalbums, durch Deutschland.

07. November 2016: Die Berliner Mercedes Benz-Arena ist sehr gut gefüllt. Selbst viele der oberen Ränge sind besetzt. Zwei Vorbands haben die Menge in der Arena schon gut angeheizt. Um 21.15 Uhr ist es dann soweit. Vorerst erscheinen Placebo im Intro auf einer großen Leinwand mit ihrem Video zu „Every You Every Me“ aus ihrem Album von Foto: Dirk Schiemann1998 und bekannt geworden durch den Film Eiskalte Engel. Das allein reicht aus, um die Zuschauer zum Schreien und Klatschen zu bringen. Dann kommen sie. Zuerst Stefan Olsdal in einem schicken Ganzkörper-Totenkopf-Anzug, der schon mal anfängt auf der Bühne zu spielen bis Sänger Brian Molko ganz in schwarz sich seine Gitarre schnappt und zu ihm gesellt. Seine langen Haare, die er zu Beginn seiner Karriere hatte, wurden mittlerweile Foto: Dirk Schiemanndurch eine Frisur ersetzt , die an einen Thermianier aus Galaxy Quest erinnert. Die rabenschwarze Haarfarbe ist jedoch geblieben. Aber es geht hier ja auch nicht um die Frisur, sondern um die Musik. Die ersten erkennbaren Klänge zu „Pure Morning“ ertönen, und spätestens als Brian mit seiner zarten Stimme „A friend in need is a friend indeed…“ singt jubelt die Arena bis in die letzten Reihen. Vorne allerdings wedeln die Fans ganz nervös mit Herzchenluftballons umher. Placebo sind wieder da und holen in uns ein wenig die 90er zurück, die nichts mit Eurodance zu tun haben.

Bemerkenswert ist, dass die Zeit zwar an Brians Frisur, jedoch nicht an seiner Stimme genagt hat. Er besitzt immer noch diese melancholisch zarte Stimme mit diesem einzigartigen Wiedererkennungswert… ganz klar und sanft, als würde man gerade das Radio eingeschaltet haben. Wir sind begeistert.

Foto: Dirk Schiemann

Während der Songs sorgt eine riesige Leinwand mit alten Videos, Farbspielen und schwarz-weiss Einblendungen der Band für ein bisschen Abwechslung. Abwechslung deshalb, weil das Konzert anfangs doch einen sehr melancholisch angehauchten Start hinlegt… wohl inspiriert durch den nasskalten Berliner Novemberabend. Das Ganze erreicht seinen Höhepunkt mit dem Lied „Without You I’m Nothing“ mit dem auch nochmal David Bowie gehuldigt wird. Auf der Leinwand sind Brian und Bowie gemeinsam im Video zu sehen. Wir erinnern uns, dass David Bowie damals auf die Band aufmerksam wurde und so begeistert von ihren Demos war, dass er sie noch vor Erscheinen ihres ersten Albums mit auf seine Tour einlud.

Zwischendurch ermahnte Brian Molko zwei pöbelnde Zuschauer, die etwas zu rücksichtslos vor der Bühne tanzten und andere schubsten. Ziemlich direkt gibt er ihnen zu verstehen „We are not here in the Kindergarden!“, und dass dies kein Limp Bizkit Konzert wäre. „You F…cking ruin my concentration up here. I’m trying to work.“ Und weiter: „Behave with love. Take care of each other!“ Allein diese Worte bringen die Placebo-Fans wieder zum jubeln in der Arena.

Dann, nach 80 Minuten fragt Brian: „Wanna have some Spaß? Spaß means dancing!“ Somit wussten wir alle, dass der langsamere Teil nun vorbei war. Die Placebo-Geburtstagsparty geht jetzt erst richtig los. Es gibt endlich was auf die Ohren mit „For what it’s worth“ und „Special K“, was selbst die Zuschauer von den Oberrängen von den Sitzen haut. Es gibt kein Platz in der Arena auf dem nicht getanzt wird. „Song to say goodbye“ und „Bitter End“ wurden dann zum Schluss gespielt.

Nach vielen Zugaben und mehr als zwei Stunden Spielzeit verabschiedeten sich Placebo mit „Running Up That Hill“, einer sehr gefühlvollen Version von Kate Bush. Leider blieb ihr wohl bekanntester und erfolgreichster Song „Every You Every Me“ bei der Zugabe als Liveversion aus, aber dafür versprachen sie uns, dass sie wiederkommen. Wir finden… unbedingt!

Dirk S. & Jean B.

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Jean Bork

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