KULTUR

Tattoos – Körperkunst & Kult Teil 2

verfasst von Nancy Schmidt

Tätowierstile, so vielfältig wie die Menschen

So vielseitig wie die Techniken des Tätowierens sind die Stilrichtungen der Kunst am Körper. Einige Tattoo-Stile wie die keltischen Ornamente überdauern bereits Jahrhunderte, andere, wie Comic- oder Fantasy-Motive spiegeln den Geist unserer Zeit wider.

Keltische und Tribal-Motive

Typisch für den keltischen Stil sind verschlungene Zeichnungen, Flechtwerke und Spiralmuster. Die meist schwarzen Muster gehen auf Buchmalereien irischer Mönche im frühen Mittelalter zurück. Neben den keltischen Verzierungen erfreut sich heute der Tribal-Stil großer Beliebtheit. Die schwarzen, scherenschnittartigen Ornamente mit stark geometrischer Ausrichtung gehen auf die Tatau-Elemente der Polynesen zurück.

Die Seefahrer, die die Hautkunst der Polynesen im 18. Jahrhundert nach Europa brachten, entwickelten schnell ihren eigenen Stil. Die Traditionals genannten maritimen Bilder der Matrosen wie Segelschiffe, Anker, Kreuze, Meerjungfrauen und von Dolchen durchstoßene oder von Flammen umzüngelte Herzen folgen einer eigenen, einfach strukturierten Symbolsprache. Ein Leuchtturm mit dem Namen der Heimatstadt sollte dem Seefahrer Glück auf seinen Reisen bringen, eine Madonna oder Jungfrau Maria stand für die Nähe zu Leben und Tod. Ein Anker bedeutete, dass sein Träger den Atlantischen Ozean überquert hatte.

Delphine, Indianer, Totenköpfe

Zu allen Zeiten beliebt waren Natur-Bilder mit Tieren und Pflanzen. Besonders Frauen mögen die natürlichen Motive – man denke an die Rose auf der Schulter oder an den Delphin, der sich unterhalb von so manchem Bauchnabel tummelt. Ebenfalls mit der Natur verbunden sind Indianer-Tattoos. Diese haben wenig mit den ursprünglichen Hautbildern Nordamerikas zu tun, sondern drücken mehr eine Wildwestromantik à la Lederstrumpf und Winnetou aus. Gern genommen sind die Köpfe stolzer Häuptlinge, aber auch Tiere, die man allgemein mit der Welt der Indianer verbindet: Adler, Falken oder Bären. Besonders Hippies und Biker hatten in den 60er und 70er Jahren die Prärie-Motive für sich entdeckt. Viele Träger von Indianer-Tattoos bekunden damit ihre Sympathie mit den Indianerstämmen. In den 1970er Jahren boomten düstere Horror- und Todes-Bilder. Grinsende Totenköpfe und Skelette ließen sich vorher nur die Soldaten beider Weltkriege, die täglich mit dem Tod konfrontiert waren, stechen. In den 70er Jahren drückten vor allem Biker mit Bildern von Teufeln, Hexen oder Zombies ihre Angst vor der Zukunft und ihre Verachtung der Gesellschaft aus. Eine Zeit, in der die schwermütige, Vernichtung und Verderben spiegelnde Heavy Metal-Musik ebenso in Mode kam wie Horrorfilme nach dem Muster von „Halloween“ oder „Freitag, der 13.“

Mickey Maus, Elfen, Roboter

Sinnfrei und bunt geht es in der Stilrichtung Comic zu. Ob Superman, Mickey Maus oder Fred Feuerstein, erlaubt ist, was gefällt. Das gilt auch für Porträts von Prominenten. Besonders populär sind möglichst realistische, fotoartige Abbilder verstorbener Helden wie Martin Luther King, James Dean oder Marilyn Monroe. Die Figuren aus Tolkiens Hobbit-Welt liefern die Motive für den Fantasy-Stil. Immer mehr Prinzessinnen, Elfen, Zauberer und Kobolde bahnen sich aus den Büchern dieser literarischen Gattung ihren Weg auf die Haut ihrer Fans.

Eine neue Stilrichtung vereint Fantasy und Sciene Fiction. Inspiriert sind die neuen Motive von den biomechanischen Plastiken und Bildern des Schweizer Künstlers H.R. Gigers. Auf biomechanischen Tattoos fusioniert der Mensch mit der Maschine. Androiden und Roboter mit humaner Hülle reißen sich den Leib auf, zum Vorschein kommt chromblitzendes Metall. Klaffende Oberschenkel geben den Blick frei auf ein unbeirrbar arbeitendes inneres Räderwerk – oder lose Kabel hängen aus der Bauchdecke heraus. Viele Tätowierer schließen sich keinem bestimmten Stil an, sondern stellen mit individuellen Customs, Kundenanfertigungen, die einzigartigen Eigenschaften der Menschen, die sie tätowieren, in den Vordergrund. Ein Custom ist immer ein Einzelstück.

Irezumi – japanische Tätowierungen

Ob „Klassiker“ wie Anker, Herz und Adler, abstrakte Muster oder individuelle Bilder – Tätowierstile gibt es viele. Einer der wichtigsten Stile der Welt stammt aus Japan. Auch hier gab es erste frühzeitliche Stammestätowierungen, die mit der Orientierung an der chinesischen Hochkultur als primitiv verworfen wurden. Nachdem Shogune Tätowierungen über Jahrhunderte lang bis 1868 zur Stigmatisierung von Verbrechern eingesetzt hatten, kam die Nihon Irezumi, die schmückende Tätowierung, auf. Irezumi bedeutet „Tinte einführen. Die dazugehörigen Motive gehen auf eine chinesische Räuber- und Rebellengeschichte aus dem 14. Jahrhundert zurück. Die als „Suikoden“ („Geschichten vom Strand“) im 18. Jahrhundert ins Japanische übertragene Erzählung von vier tätowierten Gesetzlosen, die sich wie Robin Hoodin den Dienst der Schwachen stellten, traf den Nerv der Zeit. Auch die japanische Bevölkerung hatte die Bevormundung durch die Shogune satt.

Den Grundstock für die Irezumi-Tattoos lieferten die „Suikoden“-Illustrationen von Katshushika Hokusai und Utagawa Kuniyoshi, die die vier Rebellen mit ihren Hautmotiven und den in den Geschichten beschriebenen Motiven künstlerisch umsetzten. Typische Irezumi-Motive sind Drachen und Kirschblüten, Leoparden, Tiger oder auch Affen. Utagawa Kuniyoshi prägte die Stilrichtung zusätzlich, indem er die Motive in einen Wellen- und Wolkenhintergrund einbettete.

Von großer Wichtigkeit beim Irezumi ist die Stimmigkeit der Motive, die vom Tätowierer eine sehr gute Kenntnis der japanischen Geschichte, Mythologie und Kunst verlangt. Irezumi wird oft als Synonym für die japanische Ganzkörpertätowierung, den sogenannten Anzug, verwendet.

Tattoo Teil 1

Über den Autor

Nancy Schmidt

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