KULTUR

Tattoos – Körperkunst & Kult Teil 3

verfasst von Nancy Schmidt

Tätowierungen erzählen Geschichten

Der Wunsch, den eigenen Körper zu verändern und zu schmücken, ist schon sehr alt. Vermutlich bemalten die Urmenschen nicht nur ihre Höhlen, sondern auch ihre Haut. Körperbemalungen und Tätowierungen waren und sind auf der ganzen Welt verbreitet und haben unterschiedlichste Bedeutungen. Stammeskrieger malten sich vor dem Kampf an, um ihre Gegner mit Furcht erregenden Fratzen einzuschüchtern. Ornamente und Motive stellten Gruppenzugehörigkeit und Rang dar, demonstrierten Trauer und hatten magische Bedeutung. In vielen Völkern Afrikas gehörte und gehört die Tätowierung zum sogenannten Übergangsritual, wie zum Beispiel beim Übergang vom Jugendlichen in das Erwachsenenalter. Dabei kennzeichnet nicht nur das Zeichen an sich den Erwachsenen. Erst das Ritual mit den damit verbundenen Schmerzen lassen das Kind zum Mann oder zur Frau werden.

„Ötzi“ war der Erste

Erste Belege für Tätowierungen finden sich in Afrika, Asien und Asien aus der Zeit von ungefähr 500 vor Christus. Auch im vorchristlichen Europa war die Kunst des Tätowierens verbreitet. Mit Beginn des Christentums wurden die Zeichen auf der Haut dann meist verboten: „Und ihr dürft euch keine Zeichen einritzen lassen.“ (Lev 19, 28). Der älteste Europäer mit Nadellinien unter der Haut, von dem wir wissen, war „Ötzi„. In die Haut der circa 5300 Jahre alten Eismumie vom Hauslabjoch sind Linien, Streifen und ein Kreuz eingeritzt. Nahmen die Forscher anfänglich an, dass es sich dabei um reine Schmucktätowierungen handelte, vermutet man heute, dass die Hautmale das Arthrose-Leiden des Gletschermannes lindern sollten. Für diese Annahme spricht, dass die Tätowierungen sich genau an den klassischen Akupunktur-Punkten für diese Krankheit befinden.

Sogar Ötzi war tätowiert

Fast überall auf der Welt kennen Menschen Bilder, die mit Nadeln oder anderen scharfen Gegenständen und Farbpigmenten in die Haut gezeichnet werden. Von Alaska bis Feuerland, von Island bis Japan schmücken sich Menschen mit Hautbildern.

Über 50 Tätowierungen weist der 5300 Jahre alte Körper des Steinzeitmenschen Ötzi auf. Zu den Tätowierungen auf diesem ältesten erhaltenen Körper der Welt zählen parallel verlaufende Linien an der unteren Wirbelsäule, Streifen am rechten Fußknöchel und ein Kreuz-Motiv an der Innenseite des rechten Knies. Da sich die Zeichnungen exakt an der Hauptakupunkturlinie befinden, gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass sie bei Ötzi Schmerzen lindern sollten.

Tätowierungen fand man auch auf der 4000 Jahre alten Mumie der ägyptischen Priesterin Amunet. Im mittleren Reich Ägyptens, etwa 2015 bis 1794 vor Christus, waren an Ornamente der Nubier angelehnte Stechmalereien auf der Haut ein beliebtes Ritual.

Die charakteristischen Motive aus blauschwarzen Punkten und Strichen trägt beispielsweise eine Prinzessin aus der 11. Dynastie Thebens (2000 vor Christus), die 1923 in einer Gruft bei Luxor entdeckt wurde. 2400 Jahre alt ist der Leichnam einer Frau, der im russischen Ukok-Plateau gefunden wurde. Sie trägt an Armen und Schultern kunstvolle, reich verzierte Hautbilder mit Vögeln, Hirschen und mystischen Tieren. Man geht davon aus, dass die Frau zum Stamm der Pazyryker gehörte und wahrscheinlich Kriegerin oder Erzählerin von Stammesgeschichten war.

Körperkunst mit archaischen Techniken Im Gegensatz zur heutigen modernen und vergleichsweise schmerzarmen Technik des Tätowierens muten vergangene Methoden roh und brutal an. Dabei hatte jedes Volk sein eigenes Verfahren, Farben unter die Haut zu bringen: Inuits bearbeiteten ihre Haut mit rußigen Fäden, die narbenähnliche Markierungen hinterließen. Die Maoris in Neuseeland schnitten sich mit meißelähnlichen Holzinstrumenten Farbe in die Gesichtshaut. Eine kammähnliche Hacke, die unter anderem aus bearbeiteten Menschenknochen bestand, benutzten die Samoaner. Auf Tahiti wurde mit spitzen Knochen oder Haifischzähnen tätowiert, die Maya und Azteken behalfen sich mit Dornen und Kakteenstacheln.

Tattoo Teil 1

Tattoo Teil 2

Über den Autor

Nancy Schmidt

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