ART

MODE / KUNST ………….

Der in der Mode naturgemäß herrschende Performativitätszwang dominiert jetzt auch das Kunstgeschehen. Alles hängt vom öffentlichen Auftritt ab, obwohl es doch eigentlich auf die vermeintlich intrinsischen Eigenschaften der künstlerischen Arbeit ankommen sollte. Entscheidend für deren Glaubwürdigkeit ist jedoch, ob der Künstler „glaubwürdig“ erscheint, mithin eine „Persönlichkeit“ darzustellen vermag, die gewissermaßen auf sein Werk abstrahlt und diesem Interessantheit, Relevanz, Außergewöhnlichkeit oder was auch immer bescheinigt. Persönliches Auftreten ist etwas Herstellbares, etwas, woran man arbeitet, das ebenso Moden unterworfen ist wie bestimmte Weisen des Auftretens und damit verbundene Inanspruchnahmen von Präsenz. Simmel prägte dafür den Begriff der „Personalmode“, der die individuelle Sphäre der Persönlichkeit gewissermaßen in ein allgemeines Schema einfügt.

Während man zunächst noch davon ausging, dass die Mode dem Individuum äußerlich wäre, räumte man beim Thema „Personalmode“ ein, dass hier „die innere Welt des Individuums einer Mode unterworfen sei.“ Das Modesystem ragt also noch in die scheinbar individuellsten Selbstdarstellungen und Verhaltensidiosynkrasien hinein. Mode ist das Medium, mit dem sich Individuen als „Persönlichkeit“ inszenieren, wobei die Maßstäbe für den als „gelungen“ erachteten Auftritt in der Kunstwelt weniger streng sind. Man muss nicht wie ein Model aussehen und auch nicht perfekt gestylt sein, sondern kann sich diesbezüglich ein paar Freiheiten herausnehmen, obwohl es mehr und mehr Künstlerinnen gibt, die eine Art „Model-Look“ kultivieren. Andere hingegen optieren für eher exzentrisch oder eigenwillig anmutende Selbstinszenierungen, die – nebenbei bemerkt – als so „wirklich“ wie „in Szene gesetzt“ zu betrachten sind. Aus dieser enormen Bedeutung des Auftretens könnte nun geschlossen werden, dass es überhaupt nicht mehr auf die konkrete Beschaffenheit der künstlerischen Arbeit ankäme. Dem ist jedoch nicht so: Die konkrete Ebene der künstlerischen Arbeit zählt nach wie vor, sie ist nur nicht mehr der ausschlaggebende Faktor – zumindest auf der Ebene des Kunstmarktes.

Über den Autor

Uwe Marcus Magnus Rykov

Redakteur P!-Magazine
Geschäftsführer PAgentur Paris / Agence de presse
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