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Ostsüdwest-Diagonale auf der Art Karlsruhe

Es gibt Lebensphasen, in denen gerne gesammelt wird, sehr intensiv  zum Beispiel zwischen Ende 20 und Ende 30. Unsere  Gesprächspartnerin erinnert sich gar an eine regelrechte Sammelwut,  die sie zuweilen befiel. Viele Sachen sind eben hinreißend schön,  andere wiederum gefallen gar nicht. Natürlich will die attraktive Dame
nicht genannt werden, lässt zumindest wissen, dass sie auf der art  KARLSRUHE voll auf ihre Kosten kommt. Wir trennen uns – schließlich gibt es in den vier Hallen auf dem Messegelände noch jede Menge Kunst zu erleben – ohne freilich zu vergessen, unser Gespräch mit eine Art Schlusskommuniqué zu beenden: Das Sammeln von Kunst sollte nicht als Anhäufen missverstanden werden, vielmehr als ein Strukturieren, ein Verorten im eigenen Wahrnehmungskosmos.  

Stimulus unseres Dialogs war die angenehme Atmosphäre am Gemeinschaftsstand der Galeristen Klinger und Grethler in Halle 4/L05.
Die Galerie Klinger aus Radeberg bei Dresden steht für 35 Jahre  Engagement für realistische und gegenstandslose Kunst. Zu sehen ist ein Tête-à-Tête von Dresdner und Berliner Kunst, Hans Scheuerecker, Walter Libuda und Ute Wittig zum Beispiel.
Michael Grethler präsentiert als Premiere auf der art KARLSRUHE die One-Artist-Show Fahar Al-Salih. Der 1964 in Bagdad geborene Al-Salih wird als Outperformer der Szene gehandelt. Durch familiäre Veränderungen hat er viele Länder und damit verbunden Themen bereist. In der jüngsten Generation seiner Bilder geht es um Hüttenmotive, Zeugnisse der Zurückgezogenheit und Sicherheit. Gezeigt werden kraftvolle Arbeiten, wenige Pinselstriche treffsicher auf der Leinwand verdichtet.
Fünf Jahre Studium der Malerei bei Markus Lüpertz und Farbkomposition bei Jerry Zeniuk haben ihn reifen lassen. Die intensive Begleitung durch Herrmann Nitsch führten Al-Salihs Arbeiten zu einer neuen Qualität an Intensität.
Doch auch die Vita Michael Grethlers lohnt der Würdigung. Grethler  hat die Leidenschaft an der Kunstvermittlung vor zehn Jahren
entdeckt. Der große Max Bill hat ihn tief berührt: Angefangen, Kunst zu sammeln und dann, zunächst eher im kleinen Stil regional  Ausstellungen zu organisieren. In Karlsruhe hat Grethler eine zeitlang eine Galerie betrieben, doch verlangt dies mehr an Engagement, als es eine nebenberufliche Tätigkeit zulässt. Nun hat Grethler durch die Freundschaft mit Eberhard Klinger eine glückliche Lösung gefunden, wie er meint. Dies ist nur eine von mindestens weiteren 211 Geschichten der art KARLSRUHE. Denn so viele Galerien präsentieren sich dort.

Text: Michael Grethler

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