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Spielfilme und Dokumentarfilme beim new berlin film award 2017

Von Berlin über Tiflis und die Türkei nach Argentinien und von dort über New York wieder zurück nach Berlin – die Filmschauplätze der diesjährigen Ausgabe von achtung berlin sind vielfältig. Zusammen mit der Filmkuratorin Regina Kräh haben die beiden Festivalleiter Hajo Schäfer und Sebastian Brose die Wettbewerbe für abendfüllende Spielfilme und Dokumentarfilme komplettiert. Das Programm führt uns in unterschiedlichste Kulturen und Filmstile und gibt Einblicke in sehr vertraute und faszinierend fremde Lebenskonzepte.

Die folgenden Filmbeiträge, vier weitere Spielfilme sowie sechs Dokumentarfilme wurden in den Wettbewerb Made in Berlin-Brandenburg eingeladen: Der Spielfilm MILLENIALS von Jana Bürgelin ist ein fast dokumentarisch anmutendes Großstadtmärchen über die Generation Y, das seine Premiere bei der Berlinale 2017 in der Perspektive Deutsches Kino feierte. Leo ist Fotograf und möchte mit seinen Fotos endlich Anerkennung finden. Anne ist eine erfolgreiche Regisseurin, wünscht sich ein Kind, hat aber keinen Partner und lässt vorausschauend sicherheitshalber ein paar Eizellen einfrieren. Durch persönliche Begegnungen und inspirierende Erlebnisse realisieren beide, dass sie mit ihren jeweiligen Lebensentwürfen an Grenzen stossen.

In einem atmosphärischen Trip beobachtet MILLENNIALS die „éducation sentimentale“ zweier Individualisten und zeigt dabei sowohl ihr Scheitern als auch ihre persönlichen Glücksmomente.

Der Thriller FREDDY EDDY von Tini Tüllmann, bei den Hofer Filmtagen mit dem Heinz-Badewitz-Preis ausgezeichnet, erzählt von dem Maler Freddy, der den schwärzesten Tag seines Lebens erlebt: Er wird angeklagt, seine Frau krankenhausreif geschlagen zu haben und soll auch noch das Sorgerecht für seinen 8-jährigen Sohn verlieren. Alle Unschuldsbeteuerungen sind umsonst. Und dann geschieht auch noch das Unglaubliche: Sein imaginärer Freund Eddy aus Kindheitstagen taucht wieder auf. Was zunächst eine hilfreiche Stütze für Freddy zu sein scheint, entpuppt sich als Albtraum.

In SHORT TERM MEMORY LOSS von Andreas Arnstedt verliert der ehemalige Boxer Ronald nach einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis. Von diesem Zeitpunkt an ist nichts mehr wie es war. Ronalds Welt hat keine Zukunft, nur die Vergangenheit – bis zu seinem Unfall, ist in seinem Gedächtnis noch vorhanden. Seine Krankheit hält ihn und seine Familie gefangen – ein eigenes Leben ist für seine Frau Annett und den Sohn Constantin unmöglich geworden. Tag und Nacht muss sie sich um ihren Mann kümmern, der zum Pflegefall geworden ist, jedoch in keine amtliche Pflegestufe passt. Annett droht das Haus zu verlieren und entschließt sich schließlich zu einem radikalen Schritt.

Mit dem Spielfilm LASS DEN SOMMER NIE WIEDER KOMMEN von Alexandre Koberidze, an der Deutschen Filmund Fernsehakademie Berlin als Individualfilm entstanden, hält veritable Filmkunst Einzug in den Wettbewerb von achtung berlin. Der Film, der bereits bei der Woche der Kritik anlässlich der Berlinale für Begeisterung sorgte, erzählt von einem jungen Mann, der Tänzer werden möchte. Endlich angekommen im georgischen Tiflis, nimmt er an illegalen Boxkämpfen teil und schläft mit Männern, um Geld zu verdienen. Er verliebt sich in einen Mann, der später in den Krieg ziehen wird. Eine Reise durch den Großstadtdschungel beginnt, untermalt von diffusen Originaltönen, urbanen Geräuschkulissen und Orchestermusik. Ein Film, der Geduld braucht, die er jedoch doppelt und dreifach belohnt mit einem Kinoerlebnis der ganz besonderen Art.

Der Film DIL LEYLA von Aslı Özarslan, der seine Weltpremiere auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam feierte, erzählt die unglaubliche Geschichte von Leyla Imret, die mit 26 Jahren die jüngste Bürgermeisterin der Türkei wird. Mit einem Rekordsieg gewinnt sie die Wahlen in Cizre. Eine Kurdenhochburg an der syrisch-irakischen Grenze, aus der sie vor über 20 Jahren fliehen musste. Ihr Ziel – die bürgerkriegszerstörte Stadt verschönern. Doch dann kommt alles anders. Die türkischen Parlamentswahlen stehen an und die Situation vor Ort spitzt sich radikal zu.

In OHNE DIESE WELT, beim diesjährigen Max-Ophüls-Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, beobachtet Regisseurin Nora Fingscheidt das Leben einer Gemeinschaft deutschstämmiger Mennoniten in einer vergessenen Region im Norden Argentiniens. Sie sprechen ein altes Plattdeutsch und leben von Ackerbau und Viehzucht. Anstelle von Autos benutzen sie Pferdekutschen, ihre einzigen Schulbücher sind die Bibel und der Katechismus. Stromanschlüsse, Telefone oder Radios verbietet ihre Religion. Dem Einfluss der „Welt“ – so nennen sie alles außerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft – wollen sich die Mennoniten weitestgehend entziehen. Doch ist es wirklich möglich, sich dem Fortschritt zu verweigern? Der Film beobachtet das Leben einer leisen Gesellschaft zwischen Abschottung und Wandel. Carlotta Kittel interviewt für ihre Dokumentation

ER SIE ICH ihre Eltern, die sich 1986 in Berlin kennenlernten, aber nie ein Paar waren. Als Angela schwanger wurde und sich für das Kind entschied, brach der Kontakt ab. Seitdem haben sie nie darüber gesprochen, was damals passiert ist. 25 Jahre später stellt die Tochter eine Kamera auf, interviewt die beiden einzeln und spielt ihnen die Aufnahmen des jeweils anderen vor. Plötzlich entsteht eine brisante Dynamik zwischen den beiden Eltern, ohne dass sie sich tatsächlich begegnen.

Deutschlandpremiere feiert BUNCH OF KUNST von Christine Franz. Die Musikdokumentation erzählt die Geschichte von zwei Überzeugungstätern, den Sleaford Mods, die mit scharfkantigem Sprechpunk, Rumpel-Beats und DIY-Ethos das Musikbusiness nach ihren Regeln aufmischen. Ein Punk-Märchen zwischen Boston und Iggy PopAudienz, ein Pop-and-Politics-Roadmovie von englischen Provinzpubs in die Pop-Arena von Glastonbury.

Einem Essay gleicht der Dokumentarfilm LIEBES ICH von Luise Makarov. „Schreib dir selbst den Brief, den du schon immer bekommen wolltest“, lautete der öffentliche Aufruf der Regisseurin, auf den sie über 100 Briefe erhielt. Einige der Briefschreiber suchte sie auf und begleitete sie mit der Kamera. Sehnsüchte, Wünsche, Träume und Hoffnungen werden sichtbar in einer Realität, in der vieles ganz anders ist.

1917 – DER WAHRE OKTOBER ist eine filmkünstlerische Neuerzählung der Russischen Revolution. Basierend auf Recherchen in teils bisher unbekanntem Quellmaterial, in Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken ihrer Trickfilm-Protagonisten, unternimmt die zweifache Grimme-Preisträgerin Katrin Rothe eine multiperspektivische Befragung dessen, was heute weithin als „Die Oktoberrevolution“ bekannt ist. Der Film feiert bei achtung berlin im Rahmen einer Sondervorstellung in der Volksbühne seine Deutschlandpremiere.

Über den Autor

Uwe Marcus Magnus Rykov

Redakteur P!-Magazine
Geschäftsführer PAgentur Paris / Agence de presse
Management / Marketing / Projektmanagement / Interviews / Project / Planning Pressearbeit / Moderator

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