LIFESTYLE

Stylische Kunst aus dem Knast

verfasst von Jean Bork

Wir kennen sie alle, die Taschen von Gucci, Louis Vuitton oder Chanel. Gerade für Frauen sind Handtaschen mehr als nur eine praktische Sache. Für sie ist die Tasche zu einem wichtigen Accessoire, wenn nicht sogar zu einem kleinen Statussymbol geworden… eine Art Schmuckstück. Einziger Nachteil, man gibt für eine solche Tasche viel Geld aus, aber mehr auch nicht. Manchmal fehlt ein wenig die Sinnhaftigkeit. Zumindest geht es mir oft so. Anders bei einem ganz besonderen Label. Ich rede hier von einem Label auf das ich eines Tages im Fernsehen gestoßen bin. Das Label nennt sich Prison ArtDer Beitrag hat mich von Anfang an gefesselt. Schon die ersten Worte von Jorge Cueto, der das mexikanische Unternehmen leitet, haben sofort meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn gezogen. 

Vorab einige Infos… 255.000 Menschen sitzen in Mexiko im Gefängnis. Die Gefängnisse werden „die Schule der Kriminalität“ genannt. Doch seit Kurzem gibt es Hoffnung! Diese Häftlinge tätowieren für ein besseres Leben. Jorge Cueto gibt den Häftlingen eine zweite Chance, im Gefängnis und in der Freiheit.

Prison Art Crew

Prison Art Crew

In Mexico Stadt gibt es eine Strasse, in der es einen Luxusladen nach dem anderen gibt. Zwischen all diesen Läden befindet sich ein kleines Geschäft mit dem Namen Prison Art. Hier gibt es Artikel, die von Häftlingen tätowiert wurden. Egal ob Gürtel, Kleidung, Geldbeutel oder schöne Taschen. Alles ist handgearbeitet, und wenn man so will ja auch ein Unikat.

Wie es dazu kam? Jorge saß selber für 11 Monate im Gefängnis. Es gibt in Mexico, anders als in Deutschland, keine Untersuchungshaft. Das bedeutet, dass man die ganze Zeit während der Prozess läuft hinter Gittern hockt. So war Jorge unschuldig wegen Betruges 11 Monate lang gefangen. Diese Zeit war grausam. Eine Zelle, die für sechs Personen ausgelegt ist, wird mit 30 Personen besetzt. Die Häftlinge versuchen im Stehen zu schlafen, hängen sich zur Stabilität in die Gitterstäbe, um wenigstens ein wenig die Augen schliessen zu können. Zu dieser Zeit ist ihm viel durch den Kopf gegangen. So entdeckte er bei seinen Mithäftlingen die ganzen Tattoos. Und schon kam ihm die Idee, Leder statt Haut zu tätowieren. Angefangen hat alles mit einer Tasche, die er brauchte um darin Brille, Stifte und sein Buch zu verstauen. Um dem Ganzen mehr Farbe zu geben, liess er es tätowieren. Somit wurde die Idee zur Realität. Schon während der Haft startet er sein Business und arbeitet mit den besten Tätowierern im Gefängnis zusammen. Nach 11 Monaten kommt er endlich frei, wird unschuldig entlassen. Zu diesem Zeitpunkt sind schon 40 Häftlinge für ihn tätig. Ihre Worte als er das Gefängnis bei seiner Freilassung verlässt: „Patron, bitte vergiss uns nicht. Es ist wichtig für uns weiterzumachen. Wir brauchen diese Arbeit.“ Und Jorge hat sie nicht vergessen.

Einmal pro Woche bringt Jorge frisches Leder in das Gefängnis von Mexico Stadt. Mittlerweile arbeiten für ihn 242 Häftlinge in 6 Gefängnissen für sein Label Prison Art. Das Reclusrio norte besteht aus 4 Gefängnissen. In einem kleinen Anbau lässt Jorge dort produzieren. Aktuell sitzen hier 169 Häftlinge. Hier dürfen die Insassen arbeiten, um Geld zu verdienen. Dies ist wirklich ein Glücksgriff für jeden im Gefängnis. Die Häftlinge kannten vorher nur Raubüberfälle. Tätowieren konnte keiner. Dieses Handwerk haben sie im Gefängnis gelernt. Jeder darf mitarbeiten, wenn er sich gut verhält und an Jorges Regeln hält. Das bedeutet kein Alkohol, keine Drogen, keine Gewalt und regelmäßige Gespräche. Der Direktor des Gefängnisses ist dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen.

Es gibt zum einen den Häftling Edgar. Er ist seit 4 Jahren im Gefängnis. Seit 6 Monaten tätowiert er hier für Jorge und ist mittlerweile einer von den besten geworden. “ Ich bin stolz auf meine Arbeit. Ich wusste gar nicht, dass so ein Künstler in mir steckt. Ab Oktober kann ich in der Stiftung weiter arbeiten. Wenn ich frei komme, gehe ich als erstes ans Meer, und ich werde Gott für meine Freiheit danken.“ Die Maschine mit der tätowiert wird besteht aus einer Haarklammer, Faden, Nähnadel und einem Löffel. Der Motor, der aus einem alten DVD-Player ausgebaut wurde, bringt die Nadel zum Rotieren. Dann gibt es noch einen Kugelschreiber und ein kleines Kissen, damit der Daumen nicht reinrutscht. Tätowiert wird mit Schuhfarbe, so ist auch die Farbe Gold möglich. Edgar verdient so ca. 550 Euro im Monat. Das ist gut, denn wer frei kommt, braucht ein finanzielles Polster. Ausserdem geht die Hälfte des Lohns direkt an die Familie. Edgar hat sich auf die weiblichen Totenköpfe spezialisiert. Diese laufen im Herbst am Besten, speziell für den Tag „Dia de los muertos“. Jedoch gilt, jeder tätowiert das, was er am besten kann.Verboten sind allerdings, Waffen, Drogen, Blut und nackte Frauen.

Die Produkte, die tätowiert wurden, werden in einer Werkstatt ausserhalb des Gefängnisses weiterverarbeitet. Müssen sie auch, denn im Gefängnis dürfen keine scharfen Gegenstände, wie Scheren etc. zugelassen werden. Nach der Haft arbeiten hier viele der Ex-Häftlinge als Starthilfe für das neue kommende Leben in Freiheit. Früher haben sie Leute beraubt oder Drogen verkauft. Heute sitzen sie an Nähmaschinen und fertigen die schönsten Artikel mit großer Sorgfalt an. Hier arbeitet zum Beispiel Galisco. Er saß wegen Raub und Körperverletzung. „Die Arbeit hat mir heute sehr geholfen, die Person zu werden, die ich heute bin. Früher hatte ich Gedanken, wie ich besser Straftaten begehen kann. Heute sind sie anders. Heute überlege ich welche schönen Bilder und Tattoos ich machen kann. “

Jorges Produkte sind teuer, aber sie sind es wert. So kann er den Häftlingen und Ex-Häftlingen einen guten Lohn bieten. Sein Traum ist in Erfüllung gegangen… aus etwas Negativem entsteht was Positives. Obendrein kann er mit diesem Projekt hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme greifen. Bis heute ist keiner von seinen Leuten rückfällig geworden.

Mit der Tasche bei der Premiere "The Great Gatsby"

Mit der Tasche bei der Premiere „The Great Gatsby“

Als ich meine Clutch in den Händen hielt war ich ganz aufgeregt. Sie ist wunderschön, einzigartig und einfach ein wirkliches Unikat. Hinzu kommt, dass sie mit hoher Qualität verarbeitet wurde, was man ganz deutlich sieht. Überall wo ich hingehe, werde ich auf dieses schöne Stück angesprochen. Und anders als bei Chanel, Gucci und Co. weiss ich, dass ich doch irgendwie mit dem Kauf was Gutes getan habe. Ein Teil meines Geldes hilft jemand anderem. Sicherlich sind die Artikel von Jorge nicht ganz günstig, aber sie sind es auf alle Fälle wert. Bestellen könnt ihr ganz einfach hier: PRISONART

Über den Autor

Jean Bork

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