KULTUR

Velvets Theater Wiesbaden

Die Velvets Prag 1967
verfasst von Nancy Schmidt

Das Velvets Theater verbindet Tradition mit künstlerischem Anspruch, Ästhetik mit Phantasie. 

Das Velvets Theater kombiniert die Faszination von Licht und Farbe mit der Kunst des Schwarzen Theaters. Neben den erfolgreichen bisherigen Produktionen mit schwarzem Theater, Maskenund Puppenspiel wird nun diese erprobte ausgefeilte Technik mit Schauspiel, Gesang und Tanz verknüpft, sodass durch diese Synthese eine neue, unterhaltsame, mit vielschichtigen Inhalten bereicherte Theaterform entsteht. Musik und Pantomime werden mit einbezogen.

Vor allem aber werden Geschichten erzählt, deren visuelle Poesie wie aus der Zeit gefallen erscheint. Kinder und Erwachsene können sich von der phantastischen Gestaltung der Theaterstücke verzaubern lassen, können in die Welt der Velvets eintauchen mit besonderen Versionen bekannter literarischer Vorlagen wie „Alice im Wunderland“ oder der „Zauberflöte“ – aber auch bei selbst entwickelten Stücken. Immer poetisch, manchmal geradezu magisch, oft sehr humorvoll, entführen die Künstler in eine Welt, die den Alltag für einige Stunden vergessen lässt.

Die Velvets Die Kunst, zwischen Licht und Schatten Geschichten zu erzählen

Es begann 1958 in Prag: Absolventen des Fachbereichs Figurentheater der Akademie der Musischen Künste gründeten das erste Schwarze Theater. Bedrich Hányš hatte gerade sein erstes Semester an der Akademie absolviert, Dana Bufková sich fürs Studium eingeschrieben. So lernten sich die beiden Künstler kennen. Sie waren von der neuen Theaterform mit ihren verblüffenden Effekten fasziniert und traten noch während ihrer Ausbildung dem Ensemble des Schwarzen Theaters bei. Die junge Gruppe hatte mit ihrer Kunst rasch Erfolge. Internationale Gastspiele und Tourneen führten sie nach London, Paris oder Las Vegas, auf Theaterund Revuebühnen und ins Fernsehen.

Nach einer Spielzeit an der berühmten Avantgarde-Bühne Laterna Magica gründeten Dana Bufková und Bedrich Hányš 1967 ihre eigene Theatergruppe und nannten diese „Velvets“ (die „Samtenen“), weil die Spieler in schwarzem Samt gekleidet vor schwarzem Samt agieren. Es war eine Zeit des Auf- und Umbruchs in der CSSR. Als im August 1968 der „Prager Frühling“ von den Panzern des Warschauer Paktes brutal niedergeschlagen wurde, verließen die Velvets ihre Heimat. Es folgten Aufenthalte in Italien, Frankreich, England, der Schweiz und auf den Bahamas. Schließlich fand die Truppe 1970 in Wiesbaden ein neues Zuhause. Bald ergab sich die Möglichkeit, neben den Bühnenproduktionen auch für das Fernsehen zu arbeiten. Und so entstanden zahlreiche Trickfilme für ARD und ZDF. Von 1975 bis 1984 konnten die Velvets als eigenständige Sparte an den Städtischen Bühnen Mainz agieren und entwickelten ein breites Repertoire.

Seit 1984 haben die Velvets den Status einer freien Theatergruppe. 1996 wurde mit einer eigenen festen Spielstätte ein großer Traum wahr: Seitdem gibt es in Wiesbaden die einzige Bühne mit Schwarzem Theater in Deutschland. Dennoch blieben die Velvets auch ihrer Reiselust treu, gaben viele Gastspiele und unternahmen weltweit Tourneen. Oft nahmen sie an internationalen Festivals teil. Ihre Auftritte in Israel, Polen oder Bulgarien erhoben sie zu künstlerischen Botschaftern eines neuen, kultur- und weltoffenen Deutschlands. Dana Bufková und Bedrich Hányš feierten inzwischen ihr 50jähriges Bühnenjubilä- um, davon 40 Jahre in Wiesbaden. Nach aufwendigem Umbau und Renovierung der Spielstätte in der Schwarzenbergstraße hielt das kreative Ehepaar 2011 mit dem einzigartigen Stück „Grenzen-Los“ nicht nur autobiografisch Rückschau, sondern übergab in diesem Jahr auch die Theaterleitung an seine Tochter Barbara Naughton. Die ausgebildete Musicaldarstellerin gibt dem Theater nun ganz neue Impulse. Deutschlands einziges Schwarzes Theater hat mit der nächsten Generation eine Zukunft gefunden.

2010 wurde den „Velvets“ in Wiesbaden der Preis zur Förderung des kulturellen Lebens der Landeshauptstadt – kurz Kulturpreis genannt – verliehen. Die Velvets werden vom Kulturamt der Stadt Wiesbaden unterstützt.

Barbara Naughton sammelte bereits mit 10 Jahren erste Bühnenerfahrungen bei ihren Eltern im Schwarzen Theater Velvets mit den Hauptrollen in „Alice im Wunderland“ und „Der Zauberer von Oz“ an den Städtischen Bühnen Mainz. Nach ihrem Abitur war sie Mitglied im Jugendclub des Staatstheaters Wiesbaden. Ihre Musicalausbildung absolvierte sie an der Stage School of Music, Dance and Drama in Hamburg. Es folgten Stückverträge am Neuen Theater und am Delphi Showpalast in Hamburg, am Ayala Theater Lübeck, fünf Jahre als Gast an den Städtischen Bühnen Münster, am Staatstheater Kassel, am Fritz Rémond Theater Frankfurt und an der Komödie am Max II. in München. Sie spielte in den großen Musicals „Yesterday“, „West Side Story“, „Evita“, „La Cage aux Folles“, „Jesus Christ Superstar“, „Cabaret“, „Blue Jeans“ und „The Rocky Horror Show“, in den musikalischen Schauspielen „Acht Frauen“ und „Swing Sisters“ und war Darstellerin sowie Dancecaptain bei der Uraufführung von „Jukebox“ in Luzern. Sie moderiert dreisprachig auf Englisch, Deutsch und Tschechisch und tritt in Galaprogrammen auf. Bei Film und Fernsehen stand sie bereits für die RTL-Serien „Dr. Monika Lindt“, „Höllische Nachbarn“ und „Balko“ sowie für die ARD in „Die Kommissarin“ vor der Kamera. Seit 2009 gehört sie dem Leitungsteam der Velvets an und agiert hier ebenfalls als Darstellerin.

 

VELVETS Theater Wiesbaden, Schwarzenbergstr. 3 65189 Wiesbaden

 

Über den Autor

Nancy Schmidt

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