ART

Zeitgenössische Israelische Kunst

Zipi Achishachar; photoprint on hand self paper; jeweils 39 cm x 39 cm, (handgeschöpftes Papier) © Zipi Achishachar
verfasst von Nancy Schmidt

16 israelische Künstlerinnen und Künstler in einer Gemeinschaftsausstellung

Ausstellung vom 1. bis zum 29. April 2017 in der Palastgalerie, Berlin

Die zeitgenössische Kunst Israels stellt insofern etwas Besonderes dar, als dass sie aus der Mitte der israelischen Gesellschaft heraus entstanden ist und in erster Linie eine moderne, weltoffene, liberale und lebensfrohe Gesellschaft verkörpert, welche von konservativ-muslimischen Staaten und terroristischen Organisationen umgeben ist, von denen einige dem Staat Israel das Existenzrecht insgesamt absprechen. Eine derartige prekäre, politische und damit Lebenssituation kann nicht ohne Einfluss auf das soziale und ästhetische Bewusstsein einer Die besonderen Anforderungen, aus der Situation, aus der Not heraus geboren, erfordern oft eine kaum zu bändigende Kraft, die für diese nachhaltige Wirkung sorgt, welche solche künstlerischen Werke hinterlassen müssen. Nur hier und da wird auf die Lösung „Weltflucht“ gesetzt, und nach Einfältigen oder Luftmenschen muss man förmlich auf die Suche gehen. Ein gewisser Trotz mag ebenfalls eine gewisse Rolle spielen, vor allem, wenn die ästhetischen Formulierungen nicht im Gewand eines an westlicher Ästhetik orientierten Mainstreams daherkommen. Bevölkerung bleiben: Dies teilt sich selbstverständlich äußerst facettenreich mit gerade bei existentiellen Fragestellungen und erweist sich zudem als unerschöpflicher Quell für Themen aller Art. Außerdem liefert die antike Geschichte des Landes, in Verbindung mit den politischen Krisensituationen der jüngeren und aktuellen Zeitgeschichte reichhaltige Inspirationen für literarische Werke und die bildende Kunst. Im Lichte einer permanenten Bedrohung einer persönlichen und der staatlichen Existenz werfen aktuelle Ereignisse stets ihre tiefen Schatten auf die Gesamtumstände.

Frau Erde – der Klang der Natur

Die Erde ist die Allmutter in jeder Kultur. Erde ist aber auch ein Rohstoff, den man in verschiedene Formen umwandeln kann. Die Alchemisten sagten, „Erde ist die Mutter und Amme aller Dinge”. Zipora Achishachar steht beispielhaft für diesen Satz. Aus der Erde stammen ihre Materialien, die sie mit neuen Formen versieht, die sie knetet und umformt, die sie brennt und in Scheiben schneidet und die sie zerlegt. In ihrem kreativen Schaffensprozess ist ihr jedes Material willkommen, das zu ihren Absichten passt, und dem sie ermöglicht, berührbar und visuell Form anzunehmen, um ein Konzept zu verdeutlichen und auszuweiten. Den Alchimisten und den klassisch griechischen Philosophen war bereits bewusst, dass die Kenntnis des Materials der Schlüssel zu den Geheimnissen des Universums darstellt. Zipi Achishachar; photoprint on hand self paper; jeweils 39 cm x 39 cm, (handgeschöpftes Papier) © Zipi Achishachar Frau Erde – der Klang der Natur Achishachar arbeitet nicht mit der Töpferscheibe, denn sie will „das Material mit meinen Händen fühlen.” So formuliert sie ihre Ideen zum Land, zur Erde, zur Erinnerung und Identität. „Ich bin”, sagt sie, „stark mit dem Land verbunden, das Land bin ich, und niemand kann mich davon entfernen.” So baut sie auf ihrem eigenen Stück Land, einem Bauernhof in Giv‘at Yo‘av, ihr eigenes Museum, ein Ort, der ihre ganze Welt darstellt. Eine Welt kreativen Schaffens, in der sie sich im Dialog mit ihren Materialien befindet. Sie öffnet ein Fenster zum Mediterranen und benutzt dabei reale Fenster, die zum Objekt, zum Symbol und zur Metapher gleichermaßen werden. Ihr Museum spricht von Existenzialität, von den Wurzeln, von Erinnerungen und Erneuerung. Hier wurden einst die Kühe gemolken, und sie zeigt nun Melkszenen aus Papiermaché. Achishachar arbeitet mit Fäden und Perlen wie früher die Stickerinnen, bringt Bratislava und Jerusalem zusammen – eine Geschichte von Generationen. Ihre visuellen Texte streben nach Verdeutlichung und erweitern so unsere Fähigkeiten sie zu „lesen”; und so werden Objekte wieder zu einer anderen Art der Form. Sie jongliert dabei mit Eisen und Stein, Erde und Papier, und auch mit Textilien, mit Worten, mit der Form, in all den Fähigkeiten die sie sich über viele Jahre hinweg erarbeitet und die sie gepflegt und geschliffen hat. Dr. Nurit Cederboum Künstlerin und interdisziplinäre Forscherin Der Text wurde zusammengefasst und übersetzt von Stanislaus Szymanek.

Die Präsenz israelischer Künstler in der internationalen Kunstszenerie und auf deren Märkten hat in jüngerer Zeit stark zugenommen und beweist, dass sie bereits einen wertvollen Beitrag zum ästhetischen und künstlerischen Diskurs der Gegenwart leisten. Die Bandbreite der gezeigten künstlerischen Konzepte ist beachtlich, denn man sieht technisch und ästhetisch hoch Entwickeltes neben kalkuliert eingesetzter, scheinbarer Folklore. Es ist eine Tendenz festzustellen, Widersprüchliches auszugleichen und im Zusammenhang mit etablierten Erzählungen auch ganz neue Gefühlswelten zu gestalten. Zeitgenössisch ausgerichtete Israelis stellen eine eigene, auch neue Weltsicht vor und sie haben ihre sehr originäre InterpretatiDie Präsenz israelischer Künstler in der internationalen Kunstszenerie und auf deren Märkten hat in jüngerer Zeit stark zugenommen und beweist, dass sie bereits einen wertvollen Beitrag zum ästhetischen und künstlerischen Diskurs der Gegenwart leisten. Die Bandbreite der gezeigten künstlerischen Konzepte ist beachtlich, denn man sieht technisch und ästhetisch hoch Entwickeltes on von Wirklichkeit, was auf alternative Problembewältigungsstrategien hinweist. Gerade auch deswegen hat die zeitgenössische israelische Kunst durch Rat und Tat ihren Anteil am universellen Bestreben aller Kunst, durch Gestaltungen, gestaltendes Wissen und durch ästhetische Ordnungen sich diese Welt zu eigen zu machen.

 

 

Über den Autor

Nancy Schmidt

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